Fußball-WM 2026: Nachtruhe ist in Wernigerode heilig
In der jüngsten Stadtratssitzung hatte die Fraktion Bündnis für Wernigerode/FDP (BfW/FDP) die Verwaltung mündlich gefragt, wie es bei der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft um die Ruhezeiten bestellt ist. Der Hintergrund war einfach: Einige Spiele der deutschen Mannschaft laufen voraussichtlich noch nach 22 Uhr oder beginnen sogar erst dann. Und an warmen Sommerabenden möchten viele Menschen die Spiele gemeinsam im Freien verfolgen, im Garten oder auf der Terrasse, zusammen mit Freunden.
Nun liegt die Antwort der Verwaltung vor, und sie fällt eindeutig aus: Für private Runden gibt es keine Ausnahme. Die Ruhezeiten sind einzuhalten. Nach 22 Uhr ist also trotz Fußball-WM leiser Kammerton angesagt.
Etwas differenzierter ist die Lage beim sogenannten Public Viewing. Die Bundesregierung hat dafür eine eigene Regelung erlassen, die Public-Viewing-Verordnung (Ordnung muss sein). Sie erlaubt es, WM-Spiele auch nach 22 Uhr öffentlich im Freien zu übertragen. Allerdings ist das an klare Bedingungen geknüpft. Eine solche Veranstaltung muss bei der Unteren Immissionsschutzbehörde des Landkreises Harz angemeldet und von dieser genehmigt werden. Zusätzlich ist sie mindestens vier Wochen vorher schriftlich beim Ordnungsamt der Stadt Wernigerode anzuzeigen.
Wichtig ist dabei: Diese Sonderregelung gilt ausdrücklich nur für öffentliche Übertragungen. Private Zusammenkünfte sind davon nicht erfasst. Wer also mit Freunden im eigenen Garten feiert, fällt nicht unter die Ausnahme.
Die Stadt Wernigerode hat nach eigener Auskunft in dieser Frage keinen Spielraum. Sie ist an höherrangiges Recht gebunden, namentlich an das Bundes-Immissionsschutzgesetz und die dazu erlassenen Verordnungen. Über öffentliche Veranstaltungen entscheidet zudem der Landkreis als zuständige Behörde, nicht die Stadt.
Nach Auskunft der Verwaltung liegt dem Ordnungsamt bisher keine Anmeldung für ein öffentliches Public Viewing in Wernigerode vor. Wer also legal und gemeinsam unter freiem Himmel jubeln möchte, ist derzeit auf eine private Lösung mit Rücksicht auf die Nachbarschaft angewiesen.
Der Tipp für laue WM-Nächte im Garten: Die Nachbarn einfach gleich mit einladen. Wer mitfeiert, beschwert sich erfahrungsgemäß seltener.
