HSB zukunftsfest aufstellen: Worauf es jetzt ankommt
Die Harzer Schmalspurbahnen gehören zu Wernigerode wie der Brocken, das Rathaus und das Schloss. Sie sind Wahrzeichen und Motor für den Tourismus. Damit das so bleibt, muss das Unternehmen wirtschaftlich auf ein tragfähiges Fundament gestellt werden. Genau darum geht es bei der anstehenden Entscheidung über die künftige Ausrichtung der HSB.
Dass Handlungsbedarf besteht, lässt sich nicht länger übersehen. Die HSB bewegen sich seit geraumer Zeit in wirtschaftlich schwerem Fahrwasser. Mehrfach mussten die Gesellschafter, zu denen auch die Stadt Wernigerode gehört, in den vergangenen Jahren Geld zuschießen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Hinzu kommt, dass ein erheblicher Teil der Technik faktisch auf Verschleiß gefahren wird, also dringender Erneuerungsbedarf besteht. Vor diesem Hintergrund hatten die Gesellschafter ein Gutachten in Auftrag gegeben, um zu klären, welche Zukunftsperspektiven für das Unternehmen bestehen.
Worum es geht
Im Auftrag der Gesellschafter hat das Beratungsunternehmen SCI Verkehr untersucht, wie die HSB langfristig wirtschaftlicher betrieben werden kann. Der Abschlussbericht stellt zwei Wege gegenüber. Der eine ist die sogenannte Vorzugsvariante. Sie konzentriert das Angebot auf die nachfragestärksten Strecken, also die Harzquerbahn und die Brockenbahn. Der andere Weg ist die Basisvariante, die den Erhalt des gesamten heutigen Streckennetzes vorsieht.
Auf den ersten Blick mag der Erhalt des kompletten Angebots verlockend klingen. Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt jedoch, warum die Vorzugsvariante der bessere Weg ist.
Was für die Vorzugsvariante spricht
Die Vorzugsvariante verbindet ein attraktiveres Angebot mit einer Verkürzung des Streckennetzes. Kernstück des Geschäftsmodells wäre eine Steigerung von derzeit acht auf täglich elf Züge zum Brocken. Das würde genau die Strecke stärken, die für den Harztourismus die größte Bedeutung hat: rund 90 Prozent der Fahrgäste der HSB wollen zum Brocken. Das Interesse an den übrigen Strecken ist dagegen sehr gering.
Der Bericht beziffert die dafür notwendigen Investitionen für die Umsetzung bis zum Jahr 2045 auf rund 544 Millionen Euro. Hinzu kommen Betriebszuschüsse von etwa 253 Millionen Euro über denselben Zeitraum, im Mittel also rund 39,7 Millionen Euro pro Jahr. Das sind erhebliche Summen, auch wenn nach Abzug der Fördermittel von Bund und Land ein deutlich kleinerer Teil von den Harzkommunen zu finanzieren wäre. Entscheidend ist aber die Einschätzung des Gutachters: Mit dieser Strategie kann die HSB schrittweise zu einem nachhaltig wirtschaftlich arbeitenden Unternehmen werden. Daher auch die Bezeichnung Vorzugsvariante.
Warum die Basisvariante teurer und riskanter ist
Der Erhalt des gesamten heutigen Angebots wäre deutlich teurer, ohne dabei mehr Sicherheit zu bieten. Nach den Berechnungen von SCI Verkehr lägen die Investitionen in der Basisvariante bis 2045 um 34,5 Prozent höher, die notwendigen Betriebszuschüsse sogar um 36,1 Prozent. Insgesamt würde die Schallgrenze von einer Milliarde Euro durchbrochen. Gleichzeitig fielen die erwartbaren Umsatzerlöse im Vergleich zur Vorzugsvariante aber um 11,5 Prozent geringer aus, unter anderem weil dann nur acht statt elf tägliche Brockenankünfte hinterlegt sind.
Höhere Kosten bei zugleich niedrigeren Einnahmen lassen vermuten, dass die wirtschaftliche Tragfähigkeit der HSB auch über das Jahr 2045 hinaus nicht gesichert wäre. Das Unternehmen bliebe absehbar auf hohe öffentliche Zuschüsse angewiesen.
Für die Stadt Wernigerode als Gesellschafterin hätte das unmittelbare Folgen. Sie müsste mit dauerhaft höheren Zuschussverpflichtungen rechnen, und dieses Geld würde bei anderen Projekten in unserer Stadt fehlen. Kurz: Die Basisvariante verschlingt höhere Investitionen und erhöht langfristig das wirtschaftliche Risiko für die Stadt.
Die konkrete Entscheidung
Konkret steht derzeit die Sanierung der Brockenstrecke an. Sie ist mit einem Aufwand von rund 60 Millionen Euro veranschlagt. Auf die Stadt Wernigerode, die zwölf Prozent der Anteile an der Gesellschaft hält, entfällt davon ein Beitrag von 4,4 Millionen Euro. Diesen Betrag stellen wir ausdrücklich nicht in Frage. Die Brockenbahn ist das Herzstück des Angebots, ihre Ertüchtigung ist notwendig, und der Stadtrat wird die Mittel freigeben.
Unsere Bedenken richten sich also nicht gegen diese einzelne Investition. Sie betreffen die langfristige Strategie des Unternehmens, da der Aufsichtsrat trotz klarer Fakten die Basisvariante favorisiert. Deshalb schlagen die Fraktion BfW/FDP in einem Ergänzungsantrag vor, dass der Stadtrat den Oberbürgermeister auffordert, sich als Vertreter der Stadt Wernigerode im Aufsichtsrat der HSB für die Vorzugsvariante als strategische Zielrichtung der Unternehmenssanierung einzusetzen.
Unsere Position
Aus unserer Sicht ist die Vorzugsvariante die einzige der untersuchten Perspektiven, die einen langfristig tragfähigen Betrieb der HSB realistisch erscheinen lässt. Sie sichert ein starkes Angebot auf der Brockenstrecke und schont zugleich die öffentlichen Kassen. Damit einzelne Investitionen wie die jetzt anstehende Sanierung nicht ins Leere laufen, müssen sie in eine langfristig tragfähige Gesamtstrategie eingebettet sein.
